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Festgefahren

Kurz nachdem wir nach Argentinien eingereist sind, reisen wir auch schon wieder aus, nämlich nach Paraguay, um uns dort ein bisschen umzusehen. Dabei verlangen wir unserem Reisemobil in schwierigem Gelände mal wieder einiges ab und prompt bleiben wir stecken.


 

Die ersten Tage in Paraguay verbringen wir allerdings noch recht gemütlich: In der Nähe von San Ignacio Guazu finden wir einen gut ausgestatteten Campingplatz („Hotel Rural“ bei …), deren Besitzer Gustavo zudem sehr sympatisch und äußerst zuvorkommend ist. Hier bleiben wir 2 Nächte. Danach brechen wir auf in Richtung Asuncion, der Hauptstadt Paraguays.

Auf der Straßenkarte entdecken wir den Nationalpark Ypoa mit gleichnamigem See, der auf dem Weg liegt. Der Weg dorthin führt zunächst geschotterte Pisten. In einem Ort erkundigen wir uns, ob dies der richtige Weg sei. Dies wird mit einem Kopfnicken und dem Kommentar „un poco fuerte“, was wir frei mit „ein wenig holprig“ übersetzen, bestätigt. Macht nichts, wir haben ja schließlich genau deshalb ein Fahrzeug mit Allradantrieb ausgesucht. Also los! Nach einer wie erwartet holprigen Fahrt, die unser Reisemobil schon ganzschön zum Klettern herausgefordert hat, erreichen wir einen Zaun. Holger geht zu Fuß zur angrenzenden Farm und fragt dort nach, ob dies wirklich der Weg zum See sei. Der Besitzer bestätigt wieder und erklärt, dass der weitere Weg recht schwierig ist, da dort das Wasser teilweise knietief steht. Wir wollen es trotzdem versuchen. Leider. Nach einigen Unebenheiten und teilweise recht großen Pfützen, die wir mehr oder weniger leicht durchfahren, erreichen wir ein tückisches Matschloch. Wir bleiben stecken. Holger zieht alle Register und versucht den Nissan herauszumanövrieren. Es hilft nichts. Wir haben uns festgefahren. Die Hinterachse/das Differentialgetriebe hinten sitzt auf. Mist. Also beginnt Holger damit den Matsch vor dem Differentialgetriebe wegzuschaufeln. Leider zwecklos. Auch das Unterbauendes hinteren rechten Rades mit Holz führt nicht zum Erfolg. Im Gegenteil: zum Unterbauen hebt Holger das Rad mit dem Wagenheber an. Bei einem Versuch aus dem Matsch herauszufahren, reißt er sich damit das Ventil am hinteren linken Rad ab. Jetzt haben wir zu allem Überfluß auch noch einen Platten!
Nicht aufgeben! Wir versuchen es mit Ziehen. Da kein Baum in der Nähe ist, müssen wir uns anders helfen. Holger gräbt einen „toten Mann“. Dazu buddelt er etwa 6-7 m vor dem Auto ein Loch von etwa 20cm Tiefe und legt die Eisenstange herein, an der er einen breiten Spanngurt (die Slackline) befestigt hat. Dann gräbt er die Eisenstange ein und beginnt damit den Gurt zu spannen. So soll – der Theorie nach – das Auto aus dem Matsch gezogen werden. Unsere Versuche scheitern. Auch dass Holger die Stange tiefer eingräbt, hilft nichts. Mitlerweile ist es stockdunkel und Holger ist völlig verschlammt. Wir beschließen es für heute dabei zu belassen und an Ort und Stelle zu campen. Damit Holger sich ein bisschen säubern kann, wollen wir nun zu Fuß zum See, der nun laut Karte nicht mehr weit weg sein soll. Wir laufen etwa eine 3/4h, ohne den See zu erreichen und geben langsam die Hoffnung auf. In der Dunkelheit können wir den See nicht ausmachen, der irgendwo neben uns auftauchen müsste. Wir geben auf und kehren um. Holger „duscht“ notdürftig mit Wasser aus unserem Kanister.
Am nächsten Tag beginnt Holger früh damit den Nissan aus dem Matsch zu graben. Er legt unter alle 4 Räder Holz, dass er mühsam aus der Umgebung zusammensammelt. Die Hinterachse schaufelt er frei und entfernt den Matschwall, der sich hinter dem Auto auftürmt. Außerdem wechselt er noch den platten Reifen. Mitten im Matsch. Es dauert bis in den Nachmittag, aber der ganze Aufwand lohnt sich, denn der nächste Versuch unser Reisemobil aus dem Matsch zu bugsieren ist ein Erfolg! Rückwärts fährt Holger den Nissan aus dem Matsch auf eine relativ trockene Stelle. Juhu! Wir sind gerettet!
Dann wechselt Holger noch die anderen 3 Reifen. Jetzt haben wir 4 Matschbaggerreifen und wir sind für den Rückweg gerüstet, den wir ohne weitere Probleme hinter uns bringen. Was für ein Abenteuer!

2 Kommentare

  1. Franzi sagt:

    Schon beim Lesen bekomme ich Herzrasen. Ich hätte wahrscheinlich schon bei dem Platten verzweifelt aufgegeben. Aber der vermatschte Holger sieht sehr lustig aus. 🙂

  2. Michael sagt:

    Oh Gott! Was ne Story! Das werdet ihr wohl auch nie wieder vergessen! Bin froh dass ihr die Reise weiter zu „Dritt“ fortführen könnt!!